Unser langjähriges Stones-Club-Mitglied „MountainMan50“ gibt uns einen Buch-Tipp zu „The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore – Tod und Sterben in der Rockmusik“!

Liebe Stonerinnen und Stoner, liebe Freundinnen und Freunde unserer Homepage,

unser langjähriges Stones-Club-Mitglied „MountainMan50“, kein anderer als der liebe ckhard Bergmann (http://www.stones-club-aachen.de/?s=mountainman50),

(Das Foto © Jens Döll aus HNA zeigt Eckhard Bergmann.)

hat uns wieder einen Buch-Tipp zukommen lassen. Wir sagen dem lieben Eckhard wieder ein herzliches ankeschön für seinen Tipp.

Manni Engelhardt -Stones-Club-Manager-

*********************************************************

„MountainMan50“ informiert:

Buch-Tipp:

„The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore – Tod und Sterben in der Rockmusik“

Hi Manni,

vielleicht nicht nur , aber auch für dich/euch interessant, auch hinsichtlich des kürzlichen Todes von Charlie Watts….s.u.>

 Beste Grüße

Eckhard Bergmann

(Stones-Club-Mitglied & Hendrix-Fans.de)

Musik ist eine besonders flüchtige Kunstform. Kaum erklungen, ist sie schon verweht. Als Symbol für die Vergänglichkeit liegt es daher nahe, sie in Verbindung mit dem Thema Tod und Sterben zu bringen. Erstaunlich ist allerdings, dass auch das populärkulturelle und vorwiegend an Jugendliche gerichtete Unterhaltungsgenre der Rockmusik sich vielfältig damit befasst. In welcher Form das in den unterschiedlichen Stilrichtungen geschah, soll dieses Buch zeigen. Vom Psychedelic Rock der 1960er Jahre über Punk, Death Metal, Gothic bis hin zu HipHop werden anhand von relevanten „Leitfossilien“ markante Stationen der Rockgeschichte nachgezeichnet. Über 200 (vorwiegend kleinformatige) Farbabbildungen z.B. von themenrelevanten Plattencovern, Flyer usw. illustrieren die einzelnen Aufsätze.

Nach einer Einleitung von Josef Spiegel zeichnen weitere Texte markante Stationen der Rock- und Popgeschichte vom Ende der fünfziger Jahre bis heute anhand dieses wichtigen und häufig verwendeten Themas innerhalb der Rockmusik nach. Leitlinie ist dabei das Verhältnis von Musikgenre, Szene und Jugendbewegung auf der einen Seite und der existentiellen Erfahrung von Tod auf der anderen Seite. Deutlich wird, dass Zeitgeist, Genre und Stilart der Musik jeweils einen ganz eigenen Umgang mit dem Thema bewirkt haben. Deutlich wird auch, dass der Kosmos „Rockmusik“ gerade auch jungen und jugendlichen Menschen eine umfassende und komplexe Sprache bereitstellt, mit der sie auch wesentliche und wichtige Lebensthemen in einer ihr nahen und eigenen Ausdrucksform betrachten, werten und verarbeiten können.

Noch zu Beginn der Sechziger Jahre war der Tod als Motiv in der populären Musik nur in Ausnahmefällen präsent. Angesprochen wurden allenfalls schreckliche Schicksalsschläge, wie ein Autounfall mit jungen Leuten im bekannten Song „Last Kiss“. Erst der „Psychedelic Rock“ ab der Mitte der sechziger Jahre mit seinen Abstechern in die Sphären von Bewusstseinserweiterung und „neuen höheren Wirklichkeiten“ nutzte bestimmte Potenziale und Stufungen des Todesthemas gezielt. Beispielhaft dafür stehen etwa das Album „The Full Circle“ von den Doors oder auch der Beatlestitel „Tomorrow Never Knows“.

Gegen Ende dieser weitgehend von „metaphysischen Sehnsüchten“ und „Flower Power“ geprägten Jahre trat dann mit dem durch exzessivem Lebenstil und Drogen verursachten Tod vieler Supergrößen des Rock, von Jimi Hendrix über Janis Joplin bis zu Jim Morrison, der real erlebte Tod in die Welt des Rock ein. Dabei konnte jedoch noch die Erfahrung der Vergänglichkeit in der „heroischen Abgangsgeste“ des bekannten „wen die Götter lieben, der stirbt jung“ verbrämt werden. Mit den brutalen Todesfällen unter den Zuschauern beim berühmt-berüchtigten „Altamont Rock Festival“ der Rolling Stones war die Illusion des „Summer of Love“ jedoch endgültig von der Realität des Todes und auch der tödlichen Gewalt eingeholt worden. Auf den Covern und in der Rockmusik verändert sich damit auch die Art der Darstellung und der Inhalte. Nur ein Beispiel unter vielen: die Superband „Cream“ zeigte auf dem Cover ihre Songtitel als Inschriften auf einem Grabstein.

War die Auseinandersetzung mit dem Thema Tod bis dahin noch weitgehend auf das eigene Bezugssystem der Musiker und ihrer Welt ausgerichtet, grenzte sich der Punkrock in der Folge davon klar ab. Jetzt werden, wie in den Songs und auf den Covern der bekannten „Dead Kennedys“ gesellschaftskritische und politische Hintergründe stärker betont. Unter Bezug auf Bildmaterial aus realen politischen Ereignissen wie etwa den Vietnam-Krieg werden Tod und Sterben mit dem Schockpotential grausamer Kriegsbilder angeprangert. Oft nutzt der Punk auch das Schockpotential des Todes einfach nur, um die Selbstzufriedenheit der Gesellschaft anzugreifen. Da angesichts des Todes alle gleich sind, eignet er sich als anarchisches Symbol besonders gut. Leidenschaft, Freiheit und Schwarze Romantik verbindet dagegen der Musikstil des Gothic-Rock mit dem Tod. Auf den Covern sieht man Gräber, Ruinen, Grabsteine und Kirchen als Attribute einer Lebenshaltung, die auf eine existentielle Fragestellung abzielt.

Ganz anders dagegen nutzt der Hard-Rock und Death-Metalrock das Todesthema. Eindeutig stehen Schock- und bizarre Horroreffekte im Vordergrund und man kann bei manchen Bands durchaus auch eine Logik des „immer mehr“ entdecken, um den letzten Sprung und die letzte Möglichkeit der Provokation auszureizen. Vielfach in die Kritik geraten ist der Hard-Rock und Metal-Bereich auch dadurch, dass ihm von manchen Kritikern – vor allem im Zusammenhang von solch verheerenden Ereignissen wie Amokläufen – eine direkt gefährdende Wirkung auf Jugendliche nachgesagt wird. Eine Sonderstellung nimmt in diesem Genre die spezielle Ausprägung der „Neuen deutschen Härte“ mit auch international bekannten deutschen Gruppen wie „Rammstein“ oder „Oomph“ ein. Besonders letztere hat das Todesthema vielfach und oft auch mit provokativer und herausfordernder Gestik in ihren Songs eingesetzt. HipHop und Rapmusik ist vermutlich die Musiksprache, welche auch interkulturell den größten Verbreitungsgrad hat. Diese Musik kommuniziert in szenegriffigen Freund-Feind-Bildern die Probleme von Ghetto und Straße wie Bandenkriege, Drogen aber auch gewaltsamen Tod und Mord. Herausforderndes Testen von Grenzen ist die Regel, oft auch Teil des selbststilisierten Auftritts der Musiker, was ihnen immer wieder die Aufmerksamkeit von Zensur und Jugendschutz eingebracht hat.

Die Texte wurden von (studentischen und wissenschaftlichen) Teilnehmern eines Seminares zu „Rockmusik und Todesthema“ am Soziologischen Institut der Universität Münster wie Dieter Hiebing M.A. und Dominik Irtenkauf M.A. sowie von Kollegen der Stiftung Künstlerdorf Schöppingen beigetragen.

Die Projektidee und ein gut Teil der Zusammenstellung stammt von Josef Spiegel (Stiftung Künstlerdorf Schöppingen). Gefördert wurden Projekt, Ausstellung und Buch vom Ministerpräsidenten des Landes NRW und vom Kreis Borken. Kooperationspartner sind das Rock’n’Popmuseum, das Institut für Soziologie der Universität Münster, der Telos Verlag und das Museum für Sepulkralkultur in Kassel. Dort wurde die Ausstellung ab dem 28. Mai 2010 gezeigt.

Diese umfangreiche Anthologie ist als Katalogbuch zur gleichnamigen Ausstellung, die vom 1.3. – 16.8.2009 im Rock’n’Popmuseum Gronau gezeigt wurde, konzeptioniert, funktioniert aber auch als eigenständiger Beitrag zum Thema, der auch ohne die Schau mit Gewinn zu lesen ist.

Roland Seim, Josef Spiegel (Hrsg.): „The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore“ – Tod und Sterben in der Rockmusik, Münster 2009, 267 S., 185 Farb- und 30 Sw-Abb., Format: 24×19 cm, Gewicht: ca. 900 g, ISBN-13/EAN: 978-3-933060-26-6, EUR 16,80

Bezugsquelle Amazon: https://www.amazon.de/Sun-Aint-Gonna-Shine-Anymore/dp/3933060265

Dieser Beitrag wurde unter Allgemein veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.