Die Turbulenzen der ROLLING STONES im März 1967 machte die Band grösser, stärker und besser!

Liebe Stonerinnen und Stoner, liebe Freundinnen und Freunde unserer Homepage,

der Monat März 1967 wurde in Bezug auf das Wirken der allergrößten, allerbesten und dienstältesten Rockband aller Zeiten und des Universums von uns mehrmals belichtet (http://www.stones-club-aachen.de/?s=m%C3%A4rz+1967).

Eine Abrundung unserer Berichterstattung über den Monat März 1967 und THE ROLLING STONES wollen wir heute vornehmen. Wir zitieren diesbezüglich aus dem Buch des STEPHEN DAVIS unter dem Titel „Die STONES“, EUROPA-VERLAG-Hamburg-Wien (http://www.europa-verlag.com/Impressum.html), Seite 253 bis 256, Ein psychisches Trümmerfeld:

Vorspann Keith Richards – Zitat:

„Fünf Seiten, drei Noten, zwei Finger, einen Idioten, und du hast es. Du kannst das verdammte Ding spielen. Das ist alles, was es dafür braucht. Was du damit anfängst, ist eine andere Frage. Keith Richards

März 1967. Die Blue Lena fuhr, auf der Flucht vor dem Desaster, das sie in Marrakesch hinterlassen hatte, zurück nach Norden. Über die Straße von Gibraltar durch Andalusien, Katalonien, die Languedoc und schließlich mit der Fähre über den Kanal. Am britischen Zoll gab es eine peinlich genaue Durchsuchung, und die drei entgingen einer Festnahme nur, weil Tom Keylock das Haschisch unter dem Tankdeckel versteckt hatte. Anita Pallenbergs Leidenszeit mit Brian Jones war schon fast Vergangenheit, und doch war sie voller bedauern, wollte ihn nicht wirklich verlassen, hätte ihn nicht verlassen, wenn sie nicht um ihre Sicherheit gefürchtet hätte. Wie Marianne Faithfull später schrieb, hätte Keith Anita nie bekommen, wenn Brian nicht so ein Arschloch gewesen wäre. Dreißig Jahre später, als sie sich an ihre Gefühle in jener schwierigen Zeit zurückerinnerte, klang Anitas Stimme immer noch bedrückt, wenn sie von Brian sprach. ´Er war, glaube ich, die Leidenschaft meines Lebens. Es gibt einen Unterschied zwischen Liebe und Leidenschaft. Brian war leidenschaftlich, und ich glaube, ich habe ihn leidenschaftlich geliebt.´

´Brian war wirklich ein ziemlich armes Schwein´, sagte Keith zu Stanley Booth. ´Er gehörte eigentlich in ein beschissenes Krankenhaus. Aber wir arbeiten alle zu hart, um ein Eingreifen von den Typen zu erwarten, mit denen wir zusammen waren. Dann verschwand ich schlicht von der Bildfläche. Ich freundete mich wieder mit Brian an, und dann spannte ich ihm die lte aus. Ich hab es wirklich vermasselt.´ Nach seiner Ankunft in London räumte Keith die Wohnung in der Courtfield Road aus und nahm jeweils die Hälfte der Platten und Drogen mit. Anita sollte nie mehr in die Wohnung gehen. Das Paar ließ sich in Redlands nieder. Brian flog von Marrakesch über Casablanca nach Paris, wo er bei Donald Cammell Zuflucht suchte. Cammell war schockiert, den desorientierten Stone vor seiner Tür zu finden, ohne Gepäck, verlottert wie ein Penner und nach Schnaps riechend. ´Sie haben mich verlassen´, sagte Brian. ´Sie sind einfach abgehauen und haben mich verlassen.´ Brian war ein Wrack, ein psychisches Trümmerfeld. Cammell half ihm zurück nach London zu kommen, wo Brian feststellen musste, dass Anitas Kleider aus der gemeinsamen Wohnung verschwunden waren. Keith: ´Später in London kam Brian bei uns vorbei. Anita sagte: ´Nein, du bist so ein Arschloch, dass man mit dir nicht leben kann. Keith und ich, wir haben jetzt was laufen…´ Das war der letzte Nagel im Sarg, was die Freundschaft zwischen Brian und mir betraf. Er hat mir das nie verziehen. Ich mache ihm keinen Vorwurf daraus.´

Die Rolling Stones hatten eine Europa-Tounee geplant und konnten sie nicht absagen, weil die Band dringend Geld brauchte. Am schlimmsten war es bei Mick und Keith, die enorme Gerichtskosten aufbringen mussten. An dem Tag, als Mick, Marianne und Christopher Gibbs nach London zurückkehrten, veröffentlichte der Daily Mirror Details über die Drogenrazzia, nannte die Namen der Betroffenen und enthüllte, dass die beiden Stones mit Anklagen wegen Drogenmissbrauchs rechnen müssten. Es würde sie ein Vermögen kosten, en Kopf aus der Schlinge zu ziehen – wenn sie es überhaupt schafften. Es war nicht sicher, ob Brian bei der Tour dabei sein würde. Freunden erzählte er, dass er vielleicht aufhören müsse. Er habe vergessen, wie man Gitarre spiele, und er habe die Schnauze voll. Die anderen Stones erwogen ernsthaft, ihn aus der Band zu werfen. Niemand wollte ihn auch nur sehen, von einer Tournee und gemeinsamen Auftritten ganz zu schweigen. Aber Mick legte sein Veto ein, laut Bill Wyman fürchtete er, ein Rauswurf würde dem Image der Stones schaden, da Brian vor allem durch sein Äußeres ein wichtiger Teil der Band war. Brian sagte, letztlich habe Anita ihn überredet, die ´Polen-Tournee´ mitzumachen. Sie habe ihm versprochen, sie würden wieder ein Paar, wenn alles gut ginge. Brian nahm ein paar Gitarrenstunden, um sich auf die Tournee vorzubereiten. Am 24. März 1967 flogen die Stones nach Malmö in Schweden, wo sie am Zoll einer Leibesvisitation unterzogen wurden. Damit begann ihre bis Mitte April dauernde Europa-Tournee mit achtundzwanzig Konzerten und den üblichen Begleiterscheinungen: Rauchbomben, Schlagstockeinsätze, Polizeihunde, Krawalle in und vor den Hallen. Die Jugend Westeuropas bereitete sich auf 1968 vor, und die Stones schlugen die Buschtrommeln von Aufruhr und Revolte. Seltsamerweise spielten die Stones gut, obwohl die anderen Band-Mitglieder nicht mit Brian sprachen und er nicht mit ihnen. Sie beachteten einander nicht einmal. Während der Konzerte in Deutschland hatte Keith eine stürmische Affäre mit einem hübschen Model – Anita beendete gerade die Dreharbeiten für Mord und Totschlag und stieß erst am 3. April in Paris zur Band. Weiter ging es nach Italien, wo Jane Fonda das Konzert in Rom besuchte. Sie sollte wenig später die Hauptrolle in Barbarella spielen, einem Film nach dem gleichnamigen SF-Comic, den ihr Mann Roger Vadim drehte. Anita hatte sie zu dem Konzert eingeladen, weil sie eine Rolle in Barbarelle haben wollte. Balthus, der Vater von Anitas Freund Stash de Rola, war der Direktor der französischen Akademie in Rom. Die Stones waren bei Stash zu Gast und rauchten Hasch in der Villa Medici, dem renaissance-Palast, wo die Akademie ihren Sitz hatte. Bei jedem Grenzübertritt wurden die Stones Opfer von Durchsuchungen und nervösen Beamten, die ihre Einreise gezielt verzögerten. Als sie am 12. April Paris verließen, gab es im Flughafen Le Bourget einen idiotischen Streit wegen ihrer Pässe. Keith beschimpfte den Zollbeamten, und der Mann schlug wutentbrannt zunächst auf ihn und dann auf Mick ein. Er hörte erst auf, als Tom Keylock dazwischen ging.

Das erste Konzert der Rolling Stones in dem nach Rockmusik lechzenden Ostblock fand am 13. März in einer Halle mit zweitausendfünfhundert Sitzplätzen im Kulturpalast in Warschau statt. Die besten Plätze waren für die Kinder der Funktionäre reserviert.

Keith: ´Alles war sehr angespannt. Soldaten am Flughafen, dann ins Hotel, das große Ähnlichkeit mit einem Gefängnis hatte. Wir kamen an, um unseren Gig zu spielen. Honski de boyski bisk! Zee Rollingstonzki!!! Und wer kriegt die besten Sitze vorn an der Bühne? Die Söhne und Töchter der führenden Kommunisten. Sie saßen da mit ihren Perlen und Diamanten und den Fingern in den Ohren.´ Nach drei Songs, als die letzten melodischen Töne einer lahmen Version von ´Lady Jane´ verklangen, drehte sich Keith zum Schlagzeug herum und sagte: ´Hör verdammt noch mal auf zu spielen, Charlie!´ Er ging vor zum Bühnenrand und begann die Zuschauer in den ersten fünf Reihen anzuschreien. ´Ihr blöden Ärsche, könnt ihr nicht verdammt nochmal rausgehen und die Typen dahinten vorlassen?´ Keith blieb stehen, bis die ersten vier Reihen leer waren, dann ging das Konzert weiter. Das Publikum sang immer wieder ´I can´t get no!´ Draußen traktierte die Armee Tausende von Kids, die keine Karten bekommen hatten, mit Wasserwergfern, Tränengas und Hunden. Damals wurde Keith klar, dass die Tage des Eisernen Vorhangs gezählt waren. Die Tournee endete am 17. April in Athen. Sie sollte für zwei Jahre die Letzte bleiben. Mick sagte in einem Interview mit dem Melody Maker, die Stones hätte genug von Tourneen und würden vermutlich nie wieder eine Amerika-Tour unternehmen. Für Brian war es die letzte Tournee mit der Band, die er fünf Jahre zuvor gegründet hatte. Bill Wyman und seine bildschöne neue Freundin Astrid Lindstrom blieben in Griechenland, um eine Weile Urlaub zu machen, der Rest der Band flog ohne Keith nach England zurück. Er flog nach Rom, wo Anita sich um eine Rolle in Barbarella bewarb. Drehbuchautor Terry Southern meinte, sie sei die perfekte Besetzung für die Rolle der lesbischen Schwarzen Königin. Anita bekam die Rolle.“

Diese belichtende Abrundung unserer Berichterstattung über THE ROLLING STONES und den März 1967, die bei Stephen Davis nachzulesen steht, macht die Schwierigkeiten des Wirkens der Band in einer bewegten Zeit deutlich. Macht aber auch deutlich, dass diese ersten großen Turbulenzen der Band sie im Prinzip stärker, besser und noch größer gemacht haben.

Was wären die ROLLING STONES heute ohne diesen März 1967?

Manni Engelhardt –Club-Manager-

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