„…der verdammt beschissenen Zivilisation den Kopf auf den Nagel geknallt. ZACK!“ (Fortsetzungsteil III):

Liebe Stonderinnen und Stoner, liebe Freundinnen und Freunde unserer Homepage,

heuten nun wollen wir mit Teil III des Gomelsky-Interviews unsere Fortsetzungserie um ein weiteres Stück komplettieren. Unter dem Titel „…der verdammten beschissenen Zivilisation den Kopf genau auf den Nagel geknallt. ZACK!“ rufen wir an dieser Stelle die Interview-Teile I (Klick auf den Link: http://www.stones-club-aachen.de/2014/02/09/ill/) und II (Klick auf den Link: http://www.stones-club-aachen.de/2014/02./15/ille/) noch einmal in Erinnerung.

Hier nun die Fortsetzung, die mit einem Statement des Andrew Loog Oldham in einem anderen Interview des New Musical Express beginnt:

´“Redakteur fragte danach, wie er zum ersten Mal mit den Rolling Stones zusammengetroffen sei?

Oldham: Ich arbeitete damals für Epstein. Ich erledigte die ganzen Pressegeschichten für ihn von der Beatles-Platte an, die nach ´Love Me Do´ kam… ´Please, Please Me´. Danach machte ich die Promotion für die nächste Beatles-Single. Eines Abends saß ich mit dem Herausgeber irgendeiner Pop-Zeitung in der Shaftesbury Avenue bei einem Drink, und er meinte, ich sollte mir diese Gruppe in Richmond ansehen. So einfach war das. Als ich dort ankam, hatte ich wahrscheinlich einen 48-Stunden-Vorsprung vor dem Rest des Business. Aber so hat´s der liebe Gott gewollt.

Redakteur: In welchen Clubs hast du die Stones gesehen?

Oldham: Im Station Hotel.

Redakteur: Und sie haben dich sofort beeindruckt?

Oldham: Yeah.

Redakteur: Was genau hat dich so begeistert?

Oldham: Die Musik, der Sex. Die Tatsache, dass das Land in ein paar Monaten etwas ganz anderes brauchen würde, als was die Beatles machten. Ich hatte die Beatles in Doncaster gesehen, wo sie an achter Stelle hinter Leuten wie Helen Shapiro und Tommy Roe auftraten. Ich saß da und hatte einen Kloß im Hals. Sie würden über Nacht riesig werden. Das war nur so ein instinktives Gefühl. Seit jener Nacht war mir unbewusst klar: Wenn es die Beatles geschafft haben, wird ein Teil des Publikums das Gegenteil dazu verlangen. Die Stones sollten dieses Gegenteil sein. Solief es ja dann auch. In der Anfangszeit war es bei den Massenmedien so, dass man wohl die Beatles zum Tee einladen konnte, die Stones nicht. In der Rolling Stones Story der BBC erwähnte Oldham noch: Als ich das erste Mal Mick sah, war der Auftritt noch sehr steif. Ihr Auftritt war kein bisschen ausgefeilt. Jeder saß auf seinem Hocker und spielte einfach so vor sich hin, nach dem Motto: ´Hör einfach zu was ich spiele´. Ich arbeitete damals, als ich dort hinging, mit einem Agenten namens Eric Easton zusammen, und ich vermieste ihm sein Interesse an der Gruppe, obwohl er damals der Meinung war, man sollte sich von einem Mitglied, nämlich Mick Jagger, trennen, weil genau genommen ´Mick Jagger nicht singen kann´.

Anmerkung: Am 03. Mai schlossen Oldham und Easton einen exklusiven Managementvertrag mit den Stones ab. Mitte April verstarb der Vater von Giorgio Gomelsky; er flog in die Schweiz, um die Beerdigung des Vaters zu arrangieren. Als er zurückkam, hatten die Stones bei Impact Sound unterschrieben, der Firma nämlich, die Oldham und Easton gegründet hatten.

Redakteur: Was sagen sie dazu?

Gomelsky: Brian war zu allem bereit. Sie wollten Geld für Bühnenklamotten und so´ n Scheiß, und ich habe ihnen gesagt: ´Wartet nicht darauf, dass von draußen Geld hereinkommt. Lasst es uns selbst verdienen, unabhängig sein. Lasst uns noch etwas aushalten, den Gürtel noch ein paar Monate enger schnallen, und wir werden unsere eigenen Herren sein und müssen keine Deals  mit irgendwelchen Leuten abschließen´. Aber wie gesagt, Brian wollte möglichst schnell ein Star sein, viel schneller noch als Mick und die anderen. Man darf nicht vergessen, dass Brian in London total auf sich selbst gestellt war. Er hatte Pat und sein Kind und kein Geld, weil er nicht imstande war zu arbeiten. Die anderen gingen alle zur Schule, hatten Eltern, Jobs. Brian war sehr verzweifelt, er wollte es schaffen, und zwar schnell, ganz schnell; er war ungeduldig. Ich zeigten den Stones die Muster eines Films, den ich eigentlich gedreht hatte, um Peter Jones vom New Musical Express dazu zu kriegen, dass er sich die Band anschaut, und da tauchte Andrew Oldham plötzlich auf. Brian sagte zu mir: ´Ich möchte dir einen Freund von mir vorstellen, wir sind zusammen zur Schule gegangen, er will uns helfen´, bla bla bla. Brian hat mir nicht erzählt, dass er unterschrieben hatte…Also Andrew kam vorbei, sah sich den Film an, wir gingen in den Pub und redeten miteinander. Und ein paar Wochen später stellte sich heraus, dass sie einen Vertrag unterschrieben hatten.

Anmerkung: Anfang Janar, Ende Februar hatten die Stones fünf Singleseiten in den IBC Studios aufgenommen, und die musste Oldham erst zurückkaufen, bevor er sie bei Decca unterschreiben konnte.

Gomelsky: Brian kam zu mir und sagte: ´Was soll´ n wir bloß tun. IBC hat uns die Studiozeit gegeben, also gehören nihnen die Bänder.´ Ich sagte ihm, er solle zu IBC gehen und ihnen erzählen, dass die Gruppe sich auflösen würde und er die Bänder für seine eigene Sammlung haben möchte. Schließlich wurden die Bänder für 90 Pfund, die Eric Easton zahlte, zurückgekauft. Eine Woche, nach dem sie unterschrieben hatten, am 10. Mai, nahmen die Stones in den Olympic Studios ihre erste Single auf, Chuck Berrys ´Come One´, mit Andrew Oldham als Produzenten und Roger Savage als Toningenieur.

Oldham: Am Ende dieser ersten Aufnahmesession meinte ich: ´Hmmm, gut, alles klar.´ Und der Toningenieur sagte zu mir: ´Wie wär´s, wenn wir´s noch abmischen?´ Ich sagte: ´Was ist das?´ und er schaute mich an, als wollte er sagen: ´Was ist denn das für ein Arschloch?´. Ich glaube, er versuchte, so freundlich wie nur möglich zu bleiben. Die Sache Sache war nämlich die, dass jeder in der Gruppe gleichermaßen daran interessiert war, zu hören, was Mischen ist. Er fing also an: ´Also, wie ihr wisst, haben wir hier vier Spuren, und damit daraus eine Platte wird, müssen wir sie zu einer Spur zusammenfassen. ´Ich sagte: ´Okay, du machst das, und ich komme morgen früh wieder her´, weil ich mir dachte, wenn ich dableiben würde, dauerte es sicherlich länger. Nach dieser Erfahrung beschlossen wir, das sei zu kompliziert, und wir gingen dazu über, in Mono aufzunehmen. Eine der Gründe, warum ´Come On´ von Chuck Berry ausgewählt wurde, war, dass die Platte in England noch nicht erschienen war und somit praktisch ausgeschlossen war, dass sie zur selben Zeit von einer anderen Gruppe bearbeitet wurde.

Mick Jagger dazu: Ich glaube nicht, dass ´Come On´ sehr gut war, eigentlich war es Scheiße… Weiß der Teufel, wie es überhaupt die Charts geschafft hat, das war so eine Nepperei. Wir fanden es sogar derartig mies, dass wir es auf keinem unserer Auftritte spielten.

Keith Richards: Die Presse schoss sich erst auf uns ein, als wir die Pepitajacketts und die Lord-John-Hemden auszogen. Erst da schnallte Andew die Konsequenzen von dem allen und kriegte Geschmack daran. Den Rest besorgte dann die Presse. Wir brauchten nur aus einem Hotel rauszufliegen, schon kam die Chose ins Laufen.“

Zu diesem weiteren III. Teilsegment des Interview, dass keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt, möchten wir uns noch einige Abschlussbemerkungen gestatten: „Come On“ in der Single-Version der ROLLING STONES (1:54) erschien am 07. Juni 1963 mit der B-Seite „I want tob e loved (1:51) unter Decca Records F 11675; Studio: Olympic Studios (London); Produzent Andrew Loog Oldham und Eric Easton und wurde nur in Großbritannien veröffentlicht. In derselben Woche ihres Erscheinens kam sie noch in die Top 30 von „DISC“. Eine Woche später prognostizierte „DISC“ sogar eine Art von Erfolg. Zitat aus damaliger Zeit: „Es besteht eine derart stürmische Nachfrage nach dieser Art von Gruppenkrach, dass ich glaube, dieses Quintett wird sich durchsetzen… Brian Jones an der Mundharmonika gefällt mir besonders.“

Wir hoffen, dass dieser weitere Ausflug in die frühe Historie der ROLLING STONES in Form eines dreiteiligen Interviews Euch Spaß gemacht hat.

Manni Engelhardt –Club-Manager-

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