„… dieser verdammten, beschissenen Zvilisation den Kopf genau auf den Nagel geknallt. ZACK!“

Liebe Stonerinnen und Stoner, liebe Freundinnen und Freunde unserer Homepage,

die 50. Jubiläums-Worls-Tour der allergrößten, allerbesten und dienstältesten Rockband aller Zeiten und des Universums ist in vollem Gange. Fortlaufend berichten wir darüber, wie Ihr es durch das Anklicken der nachstehenden Links noch einmal auf- und in Erinnerung rufen könnt:

http://www.stones-club-aachen.de/category/stones-tour-2012-2013/ & http://www.stones-club-aachen.de/category/stones-tour-2014/ & http://www.stones-club-aachen.de/?s=50+jahre+rolling+stones!

Da passt nach unserer Meinung ein seinerzeitiges  Interview mit dem MUSICAL EXPRESS und Giorgio Gomelsky historisch ganz gut dazu, zumal es den Februar 1963 beschreibt. Das ist die Story der ROLLING STONES von vor 51 Jahren im CRAWDADDY-CLUB (http://www.geo.de/reisen/community/bild/596451/Richmond-Grossbritannien-Crawdaddy-Club-Richmond)  in Richmond (TEIL I):

An einem verschneiten Sonntag im Februar 1963 begannen die ROLLING STONES ihre ´Amtszeit´ im Crawdaddy-Club in Richmond, der von Giorgio Gomelsky geführt wurde.

Redakteur: Wie bist Du zum ersten Mal an die Stones gekommen?

Gomelsky: Damals war ich der Mann in der Szene. Jeder wusste, dass Giorgio was für Rhythm & Blues übrig hatte, da ging man halt zu ihm und redete über dieses und jenes. Es gab ja nur einen kleinen Kreis von Leuten, die sich um so etwas kümmerten. Brian kam immer wieder zu mir und sagte (flüster): ´Giorgio, du musst dir unbedingt meine Band anhören, die beste Band in ganz London, wir spielen Rhythm & Blues.´ Ich fuhr nach Sutton und hörte sie mir im Red Lion an. Was sie spielten, fand ich gut, und ich sagte zu ihnen: ´Also, ich habe da einen Typen, Dave Hunt, `nen Job versprochen, aber beim ersten Mist, den er baut, seid ihr drin.´ Und dann kam jener berühmte Tag. Dave hatte reichlich Probleme, seine Leute zusammenzutrommeln. Er schaffte es einfach nicht, und am nächsten Sonntag tauchte dann keiner auf. Es schneite, und die kamen einfach nicht. Also rief ich am Montag Ian Stewart an: ´Sag den Jungs von der Band, dass sie nächsten Sonntag auftreten.´ Das war so Januar/Februar 1963, die Band war schon komplett.

Redakteur: War Charlie zu der Zeit schon festes Mitglied der Band, oder half er nur hin und wieder aus?

Gomelsky: Doch, sie waren schon zu fünft, sie waren auf jeden Fall schon eine Gruppe, ohne Zweifel. Mick hatte damals noch nicht so viel zu sagen, er war eher still. Eigentlich waren sie ja zu sechst, weil Ian (Stewart) Piano spielte.

Redakteur: Der Crawdaddy-Club war im Station Hotel in Richmond?

Gomelsky: Der Crawdaddy befand sich ungefähr zwölf Meilen außerhalb, in Richmond, einem Vorort von London. Er war in einem Pub. Man musste den Raum verlassen, um sich seinen Drink vorne an der Bar zu holen. Was wir damals Club nannten, war eigentlich ein Hinterzimmer in einem Pub. Derselbe Raum, der am Dienstag ein Jazz-Club war, wurde am Donnerstag zum Rock ´n´ Roll – Club und so weiter. Ich habe in den fünf Jahren im Crawdaddy keinen einzigen Polizisten zu Gesicht bekommen. In Rock ´n´ Roll-Clubs wurde kein Alkohol ausgeschenkt.Für´n Bier gingen wir nach oben in die Kneipe oder um die Ecke, dann wi8eder zurück für die nächsten Titel.

Redakteur: Was haben die Stones damals für einen Abend bekommen?

Gomelsky: Ich zahlte entweder an Brian oder Stu. Wir teilen alles. Wenn zehn Pfund in der Kasse waren, behielt ich fünf und gab ihnen fünf. Später garantierte ich ihnen ein Pfund zehn Schilling pro Nase. Wenn dann zehn Pfund in der Kasse waren, bekamen sie 7 ½  – mit Stu waren sie ja sechs – und ich bekam 2 ½ .

Redakteur: Haben sie dich als ihren Manager betrachtet? Hattest du einen Vertrag?

Gomelsky: Nein, es gab überhaupt nichts Schriftliches. Ich hatte überhaupt keine Ahnung vom Musikbusiness. Ich hatte gar kein Interesse, mit dieser Sache Geld zu verdienen. Als ich das erste Mal im Club überhaupt etwas Geld machte, waren das so um die 100 Pfund. Die hab ich unter mein Bett getan und mir gesagt: ´Mann, das ist für schlechte Zeiten.´ Dann hab ich´s doch hervorgeholt, um irgendwelche Schulden zu bezahlen. Ich konnte mir das überhaupt nicht vorstellen, dass man mit ´ner Sache, die eigentlich Spaß macht, auch noch Geld verdienen kann. Als wir von anfangs drei, vier Leuten später auf 50, 60 kamen, wurde die Atmosphäre richtig großartig, Kunststudenten vom College of Technology und Art in Kingston, Eric Clapton. Es war wirklich so eine Art Szene. Was ich an dieser Zeit damals am meisten liebte, war das Gefühl, einem Clan von Leuten anzugehören mit den gleichen Kenntnissen und musikalischen Fähigkeiten, die auf Blues standen und dasselbe Ding im Kopf hatten. Das war es, was alles so fest zusammenschweißte.

Redakteur: Wie brachten die Stones es fertig, sich in Richmond innerhalb weniger Wochen eine derart große Anhängerschaft zu verschaffen, wo sie doch praktisch aus dem nichts kamen?

Gomelsky: Wir fingen an, den Leuten beizubringen, wie man auf die Stones zu reagieren hat. Denn zuerst standen sie alle nur so rum, ohne sich zu rühren. Wir sagten uns, das sei einfach lächerlich, wir müssten was unternehmen. Hamish Grimes schlug vor: ´Wie wär´s mit Tanzen?´ Ich sagte: ´Na los, aber macht´s auf dem Tisch, damit die Leute dich sehen können.´ Mick Jagger und die anderen sahen Hamish tanzen und fanden´ s  einfach irre! Das war dann der Anfang dessen, was es nur bei den Stones gab, nur im Crawdaddy; die Beteiligung des Publikums. Die Barriere zwischen den Zuhörern und der Band aufzuheben., das hat die Leute total aus dem Häuschen gebracht. Und die letzte Dreiviertelstunde wurde dann jedes Mal zum Ritual, zur Stammesfeste. Sie spielten dann so zwanzig Minuten lang sowas wie ´Pretty Thing´oder ´Crawdad´, es war hypnotisierend. ´Wir haben hier dieses hypnotische Ding am Laufen´, sagte ich zu Brian. ´Genau das ist es, worum es geht.´ Die Stones sind großartig, aber das hier war was Rituelles, die Stones waren nichts weiter als ein Teil des Rituals. Am Schluss waren die Leute wie von Sinnen. Die anderen Clubs hatten alle ihren Ärger mit Kriegen zwischen den Mods und den Rockern. Einmal kamen sie auch in unseren Club, und ich sagte zu ihnen: ´Los, kommt rein, Jungs, geht rein und überlegt euch dann, ob ihr den Laden demolieren wollt oder nicht.´ Der Laden war nämlich besonders leicht kaputtzumachen. Alles aus Glas. Fann sahen sie dieses Stammesritual und gingen einfach darin unter. Da war keine Zeit mehr für irgend so ein Remmidemmi, verstehst du. Da war was, das war gewaltiger als die einzelne Gruppen. Und darum genau ging es. Denn die Leute, die auf die Stones standen, waren ja Jugendliche, genau wie sie selber.

Redakteur: Ist mal jemand aufgestanden und hat mit den Stones in Richmond gejammt?

Gomelsky: Oh nein, im Crawdaddy hat nie jemand mitmachen wollen. Das war auch gar nicht nötig. Die würden es auch gar nicht gewagt haben, die waren einfach zu gut. Eric (Clapton) war schon da, aber er sah zu. Und die Yardbirds und all die Leute sahen zu, noch bevor sie eine Band hatten. Ich kann dir gar nicht beschreiben, was für eine Stimmung in den Monaten im Laden war. Es war, als hätte man plötzlich dieser verdammten beschissenen Zivilisation den Kopf genau auf den Nagel geknallt, ZACK! Die freigesetzte Energie war unbeschreiblich, sie brachte jedem Mut und Kraft für Jahre und Jahre und Jahre.

Redakteur: Gab es dort eigentlich eine Bühne?

Gomelsky: Nein, keine Stühle, gar nichts. Ein paar Tische. Als Beleuchtung hatten wir einen roten und einen blauen Spott, mehr konnten wir uns nicht leisten.

Redakteur: Was haben die Stones in Richmond gespielt?

Gomelsky: Jimmy Reed haben sie ziemlich gut gebracht, also … nicht, dass Jimmy Reed besonders schwierig wäre, aber es kommt auf´ s Timing an. Das Tempo, der Beat ist sehr wichtig. Es muss schnell/langsam sein, verstehst du? (Lacht). Bei so einem Schnell/Langsam-Stück die Spannung zu erhalten, ist nicht leicht, und Keith konnte das im Schlaf. Keith ist kein großartiger Gitarrist… beileibe nicht, aber er ist ein phantastischer Rhythmus-Gitarrist, weil er immer genau das richtige Feeling hat. Manche zerbrechen sich tagelang den Kopf darüber, ob sie´ s nun auf diese Weise (da da da), oder auf jene (da dada) oder noch anders spielen sollen. Paul McCartney zum Beispiel lief ständig rum und summte vor sich hin (bum bum), ich muss das richtige Feeling finden, das Feeling, das Feeling. Und das ist das ganze Geheimnis, ob ein Song oder ein Stück Musik hinhaut oder nicht.“

FORTSETUNG DES INTERVIEWS ERFOLGT IN DEN KOMMENDEN TAGEN.

Manni Engelhardt –Club-Manager.

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