RON WOOD IM INTERVIEW

INTERVIEW MIT RON (RONNIE) WOOD ANLÄSSLICH DER STEEL WHEELS – WORLD – TOUR 1989/1990

Redakteur: Klang Anfangs etwas eingerostet, als Ihr wieder zusammen gespielt habt, oder?

Ronnie: Nein, überraschenderweise nicht. Es groovte gleich von Anfang an, als wäre das nichts Besonderes – sehr beruhigend. Genauso, wie wenn wir jetzt Undercover spielen, das wir tatsächlich nie zuvor live gebracht haben – da entwickelt sich einfach eine bessere Atmosphäre, finde ich, als auf der Platte.

Redakteur: Hattest du etwas mit der Versöhnung von Mick und Keith zu tun?

Ronnie: Sie haben auf Barbados geschrieben, und wir wurden ja nicht mit reingezogen. Wir wollten nur, dass sie ihre Beziehung wieder festigen. Wir wollten, dass sie das unter sich ausmachten. Sie gaben mir auch eine Art Zeichen – und ich verstand sofort: „Yeah, verpiss dich Woody!“ (lacht). Aber wir probten dann in Eddy Grants Empfangshalle auf Barbados. Das war eine Premiere für die Stones, denn normalerweise proben wir im Aufnahmestudio.

Redakteur: Als du dich den Stones angeschlossen hast, warst du da beunruhigt, dass sie sich schon andere Leute wie Eric Clapton und Jeff Beck probeweise angehört hatten?

Ronnie: Ich saß damals zwischen zwei Stühlen. Ich wollte die Faces nicht abschreiben – und ich wollte die Stones auch nicht im Stich lassen. Aber die Stones sagten: „Nun, es ist ein Jammer, dass wir dich nicht haben können, Woody, aber setz mal deine Denkerkappe auf und überleg mal, ob du nicht jemanden weißt, der für die Band richtig ist.“ Ich dachte: Ich! Ich! Aber ich konnte wirklich nichts sagen. Sie ließen Steve Mariott, Jeff Beck und Harvey Mandel vorspielen – all diese großen Gitarristen. Ich sagte: „Ruft mich an, wenn ihr ganz verzweifelt seid.“ Und schließlich riefen sie mich an und sagten: „Wir sind verzweifelt!“ Und so bin ich nach Deutschland geflogen und habe mich ihnen angeschlossen.

Redakteur: Und mussten 150 Songs lernen.

Ronnie: Das stimmt. 151 sogar! Das ist natürlich nicht möglich. Also macht man einen großen Entwurf und setzt den Rest ein. Es ist so wie jetzt: Da musste ich 60 Songs lernen. Man lernt sie einfach, in dem man sie wiederholt und sich mit ihnen vertraut macht. Es gibt ein paar Songs, für die ich noch ein bisschen Übung brauche – zum Beispiel, wenn ich Jimmy Pages Rolle für On Hit (To The Body) übernehme.

Redakteur: Welches war für Dich die beste Stones-Zeit?

Ronnie: Die Tour 1978 war großartig. Eine gute Stimmung.

Redakteur: Wie kam es, dass die Keith niedergeboxt hat?

Ronnie: Das ist richtig. Und es war ein gutes Jahr! In Wirklichkeit haben wir uns gegenseitig k.o. geschlagen. Das waren eben Verrücktheiten zur Halbzeit der Tour in San Francisco. Er war seit Tagen auf den Beinen, und er dachte, ich hätte meine Frau betrogen und stünde unter Stoff. Und dann ist dieser Irre mit einem Aufgebot angerückt:  meine Frau, seine Frau, eine riesige Anzahl von Leuten. Gott, als wir aufeinanderprallten! Boom! Er schlug als erster, traf mich auf meine Nase, und ich stand auf und schob ihm eine. Nach zehn Minuten war alles vorüber, und in der Tat reinigte das die Atmosphäre. Danach waren wir sehr enge befreundet. Ich ging blutüberströmt ins Nebenzimmer, wo Mick und Charlie die Ausstattung für die Bühne zusammenstellten. Und ich sagte: „Was haltet ihr davon?“ Und Mick sagte: „Wie wohl der Song soundso zum Song soundso passt?“ Er achtete überhaupt nicht auf mich – als ob nichts passiert wäre.

Redakteur: Und die schlimmste Zeit?

Ronnie: Die Pause, wirklich. Es war zeitweilig schon ein bisschen haarig, weißt du? Ich habe nie den Gedanken aufgegeben, dass wir wieder zusammen auftreten würden, aber ich begann ernsthaft, alternative Berufszweige in Betracht zu ziehen.

Redakteur: Zum Beispiel?

Ronnie: Zum Beispiel, professioneller Maler zu werden. Es lief wirklich nicht so gut. Keith und ich blieben in Kontakt, und ich sprach regelmäßig  mit Charlie und Bill am Telefon. Aber Mick war derjenige, mit dem ich am wenigsten Kontakt hatte. Wenn ich mit ihm sprach, kam immer wieder etwas Hoffnung auf, aber…ich war ein bisschen beunruhigt, dass Bill vielleicht die Begeisterung verloren hätte. Aber das ist alles wieder in Ordnung. Und ich mache mir Sorgen, dass Charlie denken würde: „Was hat es für einen Zweck?“ – aber er tat es nicht. Mick und Keith waren damals die Schlüsselfiguren, und es hing von ihnen ab, ob wir wieder zusammenkommen würden.

Redakteur: Hat man dich weiterbezahlt, als die Band nicht arbeitete?

Ronnie: Nein. Es gab aber gewisse Dinge, die weitergeführt wurden. Wir behielten zwei Büros in New York und in London, aber es hing alles an einem seidenen Faden. Und beängstigend wurde es, als das New Yorker Büro geschlossen wurde.

Redakteur: Wurdest Du übers Ohr gehauen?

Ronnie: O ja. Aber es machte mir nicht viel aus. Ich hatte eine Solo-Sache laufen, aber ich hatte auch nichts dagegen, sie zu den Akten zu legen. Ich hatte meine Finger überall drin. Aber ich war dennoch ziemlich pleite oder war auf dem besten Wege dahin. Ich musste etwas unternehmen und es irgendwie durchstehen. 18 Monate lang verdiente ich meinen Lebensunterhalt mit Ölmalerei.

Redakteur: Wer hat deine Bilder gekauft?

Ronnie: Eine Unmenge von Leuten. Ringo (Starr) zum Beispiel kaufte in Bild. Er hinterließ mir eine Notiz auf einer Beatles-Postkarte, auf der die anderen drei mit Brille und Bart –außer ihm sehr gutaussehend – abgebildet waren. Er schrieb darauf: „Blöder Kerl! Es gefällt mir!“ Dylan sah sein Bild. Ich gab es ihm, weil er sagte, dass es ihm wirklich gefalle. Ich gab auch Chuck Berry eins, denn es gab sonst keine Möglichkeit, Geld aus ihm rauszukriegen. Das letzte Mal, als ich Chuck traf, erinnerte er sich tatsächlich daran. Er sagte, er habe das Bild aufgehängt. Little Richard kaufte eins von sich. Er sagte: „Mein Gott! Bin ich das?“ Rod (Stewart) kaufte eines mit Chuck Berry drauf und eines von sich selbst – unter der Bedingung, dass er einen kleinen Rabatt bekäme und einen Rahmen kostenlos dazu. Das passte so richtig zu Rod!

Redakteur: Gibt es jetzt bei den Stones gleiche finanzielle Anteile für jeden?

Ronnie: Abgesehen von den Tantiemen – einige Dinge kann man eben nicht ändern. Es geht jetzt sehr fair zu. Ich habe lange Zeit darauf gewartet, einen gleichen Anteil zu bekommen. Und soweit es jetzt möglich ist, sind die Anteile ebenbürtig.

Redakteur: Sind einige Anteile ebenbürtiger als die anderen?

Ronnie: Vermutlich ja. Vermutlich (lacht). Aber ich bin sehr zufrieden. Wenn alles vom Geld abhängt, wird´s schwierig. Ich kann jetzt ein Jahr lang nicht nach England wegen der Steuer, und das bedeutet, dass ich „old Mum“ nicht besuchen kann.

Redakteur: 1980 warst du auf den karibischen Inseln im Gefängnis.

Ronnie: Das war auf St. Martins. Jo (seine Freundin Josephine Carslake) und ich gerieten mitten in diese Schmugglerhöhle. Es war meine Schuld, denn wir gingen eines Abends ins Kasino, und es kamen einige Leute dazu, denen ich meinen Mietwagen borgte. Aber statt seine Freundin nach Hause zu fahren, wie er es gesagt hatte, lud der Typ Unmengen von Stoff ein, wurde danach aber verfolgt. Die Polizei kam dann zu mir und fragte: „Ist das ihr Auto? Kommen sie mit. Wir möchten ihnen einige Fragen stellen.“ Wir waren sechs Tage und Nächte im Kittchen in Einzelhaft. Das Gefängnis war voller Bullen, die eingelocht worden waren, weil sie sich bei beschlagnahmten Drogen bedient hatten. Aber das Komische war, dass es dort eine Amateurband gab, die sich die „Rolling Stones von St. Martins“ nannte…

Redakteur: Wie haben dir die Soloalben von Mick und Keith gefallen?

Ronnie: Das von Keith war genauso, wie ich es mir vorgestellt hatte. Und Micks Platte war gut, aber es kam mir alles ein wenig flatterhaft vor. Ich glaube, dass er nur bei den Stones wirklich in seinem Element ist. Ich habe keinen von beiden live spielen sehen.

Redakteur: Wie findest Du Keiths Stimme?

Ronnie: Ich finde sie ziemlich gut. Wirklich. Na ja…Mir gefällt sie.

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Dieses tiefschürfende Interview mit Ron Wood habe ich dem Buch des Jürgen Seibold  „THE ROLLING STONES“ (Verlagsunion Erich Pabel – Arthur Moewig KG, Raststatt / www.vpm.de ) entnommen. Dieses Buch ist ein unbedingtes MUSS für jeden Stones-Fan. Ich empfehle Euch dieses Buch sehr; denn die darin enthaltenen Interviews mit allen damaligen Band-Mitgliedern sind allesamt große Klasse. Ich hoffe allerdings auch mit dem Posten dieses Interviews allen Ron Wood – Fans wieder einmal unter Beweis gestellt zu haben, dass Ronnie in unserem Club und seiner Homepage nicht zu kurz kommt.

Mit stoned Grüßen Euer Manni Engelhardt –Club-Manager-

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